Open-Source-MCP im SAP-Ökosystem
Parallel zu SAPs eigener agentic-AI-Strategie (Joule for Developers mit dem hauseigenen ABAP MCP Server ab Q2 2026) ist 2025/2026 in der Community eine Open-Source-Bewegung entstanden, die SAP-Tooling-APIs per Model Context Protocol an MCP-fähige Agenten anflanscht — ohne Bindung an AI Units, ohne SAP-Cloud-Vertrag, ohne Modellbindung an den GenAI Hub.
Erstnennung im Wiki über die NextLytics-Blog-Quelle (April 2026).
Was diese Seite macht
Diese Seite beschreibt das Phänomen, nicht jedes einzelne Projekt. Wenn neue Bibliotheken auftauchen, kommen sie hier in die Tabelle — bis sie eigenständige Konzept-Seiten rechtfertigen.
Aktuelle Projekte (Stand April 2026)
| Projekt | Wartung | Scope | Reife | Repo |
|---|---|---|---|---|
marianfoo/sap-ai-mcp-servers | Marian Zeis | Kuratierte Liste aller MCP-Server fürs SAP-Ökosystem | aktiv gepflegt | GitHub |
oisee/vibing-steampunk | oisee | ABAP über ADT-API | in Entwicklung | GitHub |
dnic-dev/bw-modeling-mcp | David Nicolay (NextLytics) | BW Modeling Tools über BW-Modeling-REST-API | „Call for Testers” 04/2026 | GitHub |
Wie das technisch funktioniert
Drei Eigenschaften haben alle drei Projekte gemeinsam:
- Lokaler Node.js-Prozess statt Server-Infrastruktur: Trotz „Server” im Namen läuft jedes MCP-Projekt als lokales Skript, das die agentic Umgebung (Claude Code, Codex u.a.) beim Start mit hochzieht. Kein Cloud-Hosting, keine offene Schnittstelle, kein zusätzliches IT-Asset.
- Tooling-API als Untergrund: Die Server kapseln interne SAP-Tooling-APIs (ADT-API, BW Modeling REST API), die SAP-eigene Werkzeuge wie Eclipse intern nutzen. Diese APIs sind nicht öffentlich dokumentiert, aber stabil genug, dass eine Reverse-Engineering-Schicht trägt.
- Lese- und Schreibebene mit expliziter Bestätigung schreibender Operationen durch den Agenten. Damit kontrolliert der Entwickler, was genau ins System geht.
Was das im Markt bedeutet
- DSAG-Resonanz: Marian Zeis’ Vortrag auf den DSAG-Technologietagen 2026 in Hamburg sei laut Quelle „proppevoll” gewesen. Open-Source-MCP für SAP ist also kein Nischen-Phänomen mehr, sondern ein DACH-weites Gesprächsthema.
- Niedrige Eintrittshürde für Kunden: Wer einen API-Key für ein beliebiges LLM hat (Anthropic, OpenAI, lokale Modelle), kann diese Server heute schon ausprobieren. Joule for Developers bleibt zwar bis September 2026 kostenlos, ist aber an SAP-Vertragsstände gebunden.
- Konkurrenz auf der Modell-Ebene: Open-Source-MCP-Lösungen funktionieren mit jedem MCP-fähigen Client. Der GenAI Hub als zentrale LLM-Routing-Schicht entfällt — und damit fällt für SAP ein wichtiger Differenzierungs- und Governance-Hebel weg.
Wo die Grenzen liegen
- Reife für Produktion ist projektabhängig.
bw-modeling-mcpläuft Stand April 2026 nur gegen NextLytics-Demosysteme — kein Kundeneinsatz dokumentiert. - Reverse-engineerte APIs sind nicht offiziell unterstützt: Wenn SAP die interne API ändert, muss der Open-Source-Server nachziehen. Bei Joule trägt SAP diese Wartungslast.
- Kein Governance-Framework wie der GenAI Hub: Anonymisierung, RAG-Grounding, zentrale Modell-Freigabe, Audit-Logs — alles, was der Hub zentral löst, müsste hier pro Projekt selbst gebaut werden.
- Compliance-Risiko: Welche Berechtigungen hat der ausführende Entwickler-Account? Wer auditiert die Tool-Aufrufe? Für EU-AI-Act-Compliance ist eine zentrale Logging-Schicht praktisch Pflicht — die hat hier keiner gebaut.
Abgrenzung
- Open-Source-MCP vs. SAP ABAP MCP Server: SAPs eigene Lösung kommt mit Joule, läuft im SAP-Vertragsstapel und nutzt den GenAI Hub. Open-Source kommt aus der Community, läuft eigenständig, nutzt beliebige LLMs.
- Open-Source-MCP vs. Joule Studio: Joule Studio baut Agenten/Skills für Business-Szenarien. Die Open-Source-MCP-Server adressieren Entwickler-Szenarien, oft mit anderem Geschmack (Open-Source-Mindset, lokale Tools).
- Open-Source-MCP vs. Microsoft Copilot for SAP: Beide leben außerhalb von Joule. Copilot ist proprietär und liefert dafür eine integrierte Office-Erfahrung; Open-Source-MCP ist offen, aber „nackt” — Funktion ohne Frontend-Komfort.
Relevanz für ADVIA-Projekte
- In Joule-Pitches: Damit rechnen, dass Kunden „Wir haben gehört, das geht auch ohne Joule” einbringen — vor allem auf Entwicklerseite. Antwort vorbereiten, die Joule-Stärken (Governance, Hub, Grounding) sauber gegen Open-Source-Stärken (Kosten, Modell-Wahl, Geschwindigkeit) abwägt.
- In Architektur-Beratung: Mischbetrieb ist möglich — Joule für Business-Agenten, Open-Source-MCP für interne Entwicklungs-Workflows. Aber: nur, wenn Compliance- und Audit-Mechanismen separat gelöst sind.
- In Hands-on-Beratung: Wenn ein Kunde uns nach einem schnellen Prototyp für agentic AI auf BW oder ABAP fragt, ist
bw-modeling-mcp/ vibing-steampunk heute schon eine Option — die SAP-eigene Variante wartet noch auf GA. Das gibt uns einen Schnellstart-Pfad.
Offene Fragen
- Test-Umgebung: Wer in unserem Netzwerk hat ein BW/4HANA-Sandbox, an dem wir
bw-modeling-mcpausprobieren können? - Lizenz-Audit: Welche Open-Source-Lizenz haben die drei Projekte? Bevor wir sie Kunden empfehlen, prüfen.
- SAP-Statement: Gibt es offizielle SAP-Aussagen zur Nutzung reverse-engineerter Tooling-APIs in Kundensystemen? Bei Wartungsverträgen/Support-Statement relevant.
- Performance & Token: Was kostet eine typische BW-/ABAP-Operation in Tokens? Der NextLytics-Autor stellt diese Frage offen — antworten kommen vermutlich in Folge-Artikeln.